Südtirols Tourismus im Fokus: Bürgerbefragung als Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung
In Südtirol tut sich was! In den kommenden Wochen wird die Bevölkerung des malerischen Landstrichs befragt – und das ist kein kleines Ding. Das Land hat ein Meinungsforschungsinstitut beauftragt, 1500 Südtiroler zu ihrer Zufriedenheit mit dem Tourismus zu befragen und auch, wo der Schuh drückt. Das klingt vielleicht nach einer akademischen Übung, ist aber von enormer Bedeutung. Denn die Ergebnisse sollen nicht nur die Meinungen der Bürger widerspiegeln, sondern auch als Grundlage für künftige Maßnahmen dienen. Tourismuslandesrat Luis Walcher (SVP) hat betont, wie wichtig die Stimmen der Menschen für die Zukunft des Tourismus sind. Und das gilt nicht nur für die großen touristischen Hotspots, sondern auch für die kleinen, versteckten Juwelen der Region.
Die Erhebung wird neun Themenblöcke abdecken und dabei 13 Mikroregionen berücksichtigen. Das zeigt, wie ernst man die regionalen Unterschiede nimmt. Bei einer Sitzung des Tourismusrats in Bozen, wo rund 30 Vertreter verschiedener Interessengruppen zusammenkamen, wurde die insgesamt gute Aufstellung des Südtiroler Tourismus hervorgehoben. Trotzdem bleibt ein wachsames Auge auf die Herausforderungen gerichtet. Angefangen bei der Besucherlenkung an überlaufenen Ausflugszielen wie dem Pragser Wildsee oder Seceda, über den Verkehr auf den Passstraßen, bis hin zu Themen wie Wildcampen und Hubschrauberflügen – es gibt viel zu besprechen. Und ganz wichtig: Die Rolle von Bergführern, Skilehrern und Wanderleitern wird immer relevanter. Diese Profis sollen noch mehr als Botschafter Südtirols fungieren, um die Qualität des touristischen Angebots zu gewährleisten.
Tourismus im Wandel
Der Tourismus in Südtirol ist nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern auch ein emotionales Thema für viele Einheimische. Jahr für Jahr strömen Millionen von Touristen in die Region, und das hat seine Folgen. Laut einer Studie von 2024 wurden 8,7 Millionen Ankünfte gezählt – ein Anstieg von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das hat natürlich seine guten Seiten: Der Tourismus sichert Arbeitsplätze, bringt Geld in die Kassen und trägt zur kulturellen Vielfalt bei. Gleichzeitig klagen viele über die negativen Effekte: Überlastete Verkehrswege, steigende Preise und eine zunehmende Umweltbelastung sind nur einige der Punkte, die auf der Liste der Sorgen stehen.
Besonders betroffen sind stark frequentierte Orte wie die Drei Zinnen oder die Ranui-Kirche in Villnöß. Dort wurde etwa ein Drehkreuz installiert, um den Zugang zu regulieren – eine Maßnahme, die zeigt, wie ernst die Thematik genommen wird. Und das ist nicht alles. Am Pragser Wildsee, wo einst die italienische Serie „Un passo dal cielo“ für Furore sorgte, wurde ein Anmeldesystem eingeführt. An Spitzentagen drängten sich dort über 17.000 Besucher – eine Zahl, die die Tragfähigkeit des Gebiets weit übersteigt. Die Natur soll schließlich nicht unter dem touristischen Ansturm leiden.
Ein Blick in die Zukunft
Das „Landesentwicklungstourismuskonzept 2030+“ wurde 2022 ins Leben gerufen, um den Herausforderungen des Tourismus gerecht zu werden. Eine zentrale Maßnahme: eine Bettenobergrenze. Das bedeutet konkret, dass neue Betten nur entstehen dürfen, wenn an anderer Stelle welche abgebaut werden. Ein kluger Schritt, um das Gleichgewicht zwischen touristischem Wachstum und Lebensqualität der Einheimischen zu wahren. Aber wie bei allen guten Plänen, hängt der Erfolg auch hier von der Umsetzung ab. Die 116 Südtiroler Gemeinden haben schließlich unterschiedliche Größen und Tourismusintensitäten, was die Gestaltung des Tourismus nicht immer einfach macht.
Die Akzeptanz der Bevölkerung ist entscheidend für die Zukunft des Tourismus in Südtirol. Laut einer aktuellen Studie haben 92,6 Prozent der Befragten keinen weiteren Zuwachs des Tourismus gewünscht. Ein Drittel empfindet die gegenwärtige Situation als tragbar, während ein weiteres Drittel sich weniger Tourismus wünscht. Das ist ein klarer Fingerzeig, dass die Balance zwischen Tourismus und Lebensqualität gewahrt werden muss. Elisabeth Ladinser vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordert einen ruhigeren und umweltverträglicheren Tourismus. Und das ist nicht nur eine nette Idee, sondern ein Gebot der Stunde.
So bleibt Südtirol ein faszinierendes Reiseziel, das die Besucher mit seinen atemberaubenden Landschaften und kulturellen Schätzen verzaubert. Doch der Schlüssel zu einer harmonischen Koexistenz von Einheimischen und Touristen liegt in einem bewussten, respektvollen Umgang miteinander – und das beginnt mit dem Zuhören. Die Stimmen der Bürger sind nicht nur wichtig, sie sind entscheidend für die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus, der auch in Zukunft Freude und Wohlstand bringen kann.
