Reinhold Messner begeistert mit emotionalem Vortrag über Alpinismus und Naturverbundenheit in Oberstdorf
In den letzten Tagen hat Reinhold Messner, der legendäre Extrembergsteiger, es wieder einmal geschafft, die Herzen der Menschen im Allgäu zu erobern. Der 82-Jährige machte während seiner Vortragstour in Füssen und Oberstdorf Station und zog die Besucher mit seinem fesselnden Vortrag „Über Leben“ in seinen Bann. Im voll besetzten großen Saal des Oberstdorf Hauses lauschten mehr als 600 Interessierte seinen Erzählungen, untermalt von beeindruckenden Bildern aus seinem Leben und seinen Expeditionen. Man konnte die Begeisterung in der Luft förmlich spüren!
Messner, der als erster Mensch alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff bestieg, hat nicht nur Grenzen überschritten, sondern auch den Alpinismus in seiner Essenz neu definiert. Auf der Leinwand wurden nicht nur spektakuläre Fotos gezeigt, sondern auch die tiefe Verbundenheit zu den Sherpa-Familien, für die er Schulen gespendet und gebaut hat. „Die Sherpas sind die wahren Helden“, erklärte er und betonte, dass sie als gleichwertige Expeditionsteilnehmer und nicht nur als Träger betrachtet werden sollten.
Der moderne Alpinismus und seine Tücken
Mit seiner scharfen Zunge kritisierte Messner den modernen Alpin-Tourismus. „Klettern ist eindeutig zum Sport geworden“, stellte er fest und verwies darauf, dass mehr als 90 Prozent der Kletterer nur in Kletterhallen zu finden sind. „Hallenklettern ist zwar gesund, hat aber mit dem echten Alpinismus in der Natur nichts zu tun“, fügte er hinzu. Es ist schon komisch, wie sich das Klettern von einem Abenteuer in die Hallen der Fitnesscenter verwandelt hat, oder? Auch der Massentourismus im Himalaya, wo an einem einzigen Tag 250 Menschen in einer langen Reihe zu einem Gipfel aufstiegen, stieß bei ihm auf deutliche Kritik.
Ein emotionaler Höhepunkt des Vortrags war Messners persönliche Reflexion über den Verlust seiner beiden Brüder in den Bergen. Günther starb während einer gemeinsamen Expedition am Nanga Parbat, und Siegfried wurde in den Dolomiten vom Blitz getroffen. „Der Tod ist für mich ein Korrektiv“, erklärte Messner und schilderte seine Abenteuer als Situationen, in denen man sich bewusst einem möglichen tödlichen Risiko aussetzt, um zu leben. Diese Gedanken waren nicht nur tiefgründig, sie hinterließen auch einen bleibenden Eindruck bei den Zuhörern.
Der Wolf in den Alpen und die Pflege der Landschaft
Ein weiteres Thema, das Messner ansprach, war der Wolf in den Alpen. Er warnte davor, dass Bauern bei zu vielen Verlusten durch Wolfsrisse die Freude an ihrer Arbeit verlieren könnten. „Wenn die Bauern ausfallen, wer kümmert sich dann um die Landschaft?“, fragte er rhetorisch. Es ist interessant, wie er die Pflege steiler Flächen mit Ziegen und Schafen verglich, die sich besser um die Natur kümmern als die hochgezüchteten Turbomilchkühe. Diese Vergleiche zeugen von seinem tiefen Verständnis für die alpine Umwelt und deren Pflege.
Messner selbst war ein Abenteurer durch und durch. Mit fünf Jahren bestieg er seinen ersten Dreitausender, und nach einem Technikstudium widmete er sich voll und ganz dem Bergsteigen. In seinen mehr als 50 Büchern und vielen Filmen erzählt er von seinen Erfahrungen und dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Seine Stiftung setzt sich für die Unterstützung von Bergvölkern ein und verfolgt das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe – eine Einstellung, die in der heutigen Zeit mehr denn je gebraucht wird.
Ein Abend voller Emotionen
Im Foyer bildete sich nach dem Vortrag eine lange Schlange für Autogramme. Messner nahm sich die Zeit, jedes Buch persönlich zu signieren und mit einer Widmung zu versehen. Die Besucher waren begeistert, und die Meinungen über seinen Vortrag waren vielfältig. Ulli Ernst, selbst Bergführer, war beeindruckt von Messners Leistungen, wies aber darauf hin, dass er nicht immer bereit gewesen wäre, solche Risiken einzugehen. Ruth hingegen hob hervor, wie sehr sich der Alpinismus und die Ausrüstung im Laufe der Jahre verändert haben. Und Ildra aus Blaichach fand es beeindruckend, wie Messner sich ins Ungewisse wagte und seine Abenteuer überstand. „Er ist philosophisch und hintergründig“, merkte sie an.
So bleibt zu sagen, dass Reinhold Messner nicht nur ein weiterer Vortragender war, sondern ein Mann, der mit seiner Leidenschaft, seinen Erfahrungen und seiner tiefen Verbundenheit zur Natur die Menschen berührt hat. Ein Abend voller Emotionen, Erkenntnisse und vielleicht auch einer Prise Inspiration für die nächste Generation von Abenteurern.
