Blended Travel: Die Verschmelzung von Geschäftsreisen und Freizeiturlaub in Deutschland
Die Welt der Reisen hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Vorbei sind die Zeiten, in denen geschäftliche Reisen strikt von den Freizeit-Urlauben getrennt wurden. Das neue Schlagwort ist „Blended Travel“, ein Begriff, der die Kombination von geschäftlichen und privaten Reiseanteilen beschreibt. Eine spannende Entwicklung, die auch das deutsche Geschäftsreisemanagement aufmischt. Laut dem veröffentlichten Whitepaper „Blended Travel – Impulse für Unternehmen und Anbieter im Geschäftsreisemarkt“, herausgegeben vom GCB German Convention Bureau e.V. und dem VDR – Verband Deutsches Reisemanagement e.V. im Rahmen der Initiative „blend_it!“, wird die Verschmelzung dieser beiden Reisearten immer relevanter.
Weltweit sind mehr als die Hälfte der Auslandsgeschäftsreisen mittlerweile mit einem privaten Aufenthalt verbunden. Das ist nicht nur ein Trend, sondern eine echte Veränderung im Reiseverhalten. In Deutschland haben bereits zwei Drittel der Geschäftsreisenden eine solche Bleisure-Reise unternommen. Das Whitepaper bündelt Perspektiven aus verschiedenen Bereichen, darunter Forschung, Travel Management, Hotellerie und Mobilitätsanbieter. Und es gibt klare Empfehlungen für Unternehmen: Sie sollten private und dienstliche Reiseanteile besser voneinander trennen, klare Verantwortlichkeiten festlegen und entsprechende Regelungen in ihre Buchungs- und Abrechnungsprozesse integrieren.
Die Initiative „blend_it!“
Um diesen Wandel aktiv zu gestalten, haben das GCB und der VDR die Initiative „blend_it!“ ins Leben gerufen. Diese Plattform zielt darauf ab, Blended Travel in Deutschland zu etablieren und orientiert sich an den Bedürfnissen von Unternehmen und Destinationen. 2023 entfielen weltweit 53 Prozent der Geschäftsreisen auf Bleisure-Reisen – das entspricht etwa 62 Millionen kombinierten Reisen! Deutschland spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, als drittwichtigstes globales Reiseziel für Bleisure-Reisen, nur hinter den USA und Mexiko. Über 34 Prozent der internationalen Geschäftsreisen nach Deutschland haben bereits einen Bleisure-Anteil.
Das GCB bringt als Vertreter Deutschlands für nachhaltige Kongress- und Tagungsdestinationen eine Fülle von Expertise mit, während der VDR die Interessen der Geschäftsreisenden vertritt. Die Initiative soll Angebot und Nachfrage zusammenbringen und die Position Deutschlands als Geschäfts- und MICE-Reiseziel stärken. Ein interner Kick-off fand bereits im September 2025 mit mehr als 160 Teilnehmenden statt, und der offizielle Startschuss fiel am 1. Dezember 2025. Der Blended Travel Hub wird unter der gemeinsamen Marke „blend_it!“ betrieben und bietet eine eigene Website für Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten an.
Marktpotenzial und Herausforderungen
In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage nach Bleisure Travel rapide entwickelt. Laut einer aktuellen Studie, dem ersten deutschen „Bleisure & Workation Monitor“, gaben 44 Prozent der befragten Geschäftsreisenden an, ihre Dienstreise für private Aktivitäten zu verlängern. Im Schnitt sind das zwei zusätzliche Nächte – eine verlockende Vorstellung, oder? Das Marktpotenzial wird auf rund 60 Prozent aller Geschäftsreisenden geschätzt. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine Lücke zwischen dieser Nachfrage und den entsprechenden Angeboten. Viele Beherbergungsbetriebe haben bislang keine spezifischen Angebote für Bleisure- oder Workation-Gäste entwickelt.
Einige Anbieter reagieren eher kurzfristig auf Anfragen, was in einer so dynamischen Zeit nicht gerade optimal ist. Komischerweise scheinen viele Unternehmen die Chancen, die sich aus dieser neuen Reisewelt ergeben, noch nicht vollständig zu nutzen. Immerhin kehren 51 Prozent aller Geschäftsreisenden später privat an die Destination zurück – bei Bleisure-Reisenden sind es sogar 64 Prozent. Ein klarer Hinweis darauf, dass geschäftliche Reisen nicht nur berufliche Kontakte, sondern auch zukünftige Urlaubsreisen fördern können.
Die Frage ist also: Wie gut sind Unternehmen und touristische Anbieter darauf vorbereitet? Der Blended Travel Hub könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, um Wissen, Forschung und Praxis zu bündeln und somit für alle Beteiligten einen echten Mehrwert zu schaffen. Wer weiß, vielleicht sehen wir schon bald mehr kreative Angebote, die die Verbindung von Arbeit und Freizeit noch einfacher machen. Die Reisebranche – sie bleibt spannend!
