Die Westfjorde Islands – das klingt schon mal nach Abenteuer, oder? Abseits der ausgetretenen Pfade, wo die Natur noch in ihrer unberührten Pracht erstrahlt, hat sich BRIGITTE-Autorin Melodie Michelberger auf eine ganz besondere Reise begeben. Mit dem Auto durch die abgelegenen Fjorde, ein bisschen Sturm und Schnee hier und da, und das alles unter dem isländischen Motto „Þetta reddast“ – es wird schon gut gehen.

Eher selten besucht, sind die Westfjorde ein Geheimtipp für alle, die das Besondere suchen. Laut Michelberger ist die Halbinsel Snæfellsnes ihr erster Halt, und das liegt nur etwa 130 Kilometer nordwestlich von Reykjavík. Hier thront der majestätische Vulkan Snæfellsjökull, der sie schon als Kind durch Jules Vernes Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ fasziniert hat. Die ruhige, fast abgeschiedene Atmosphäre dort ist ein willkommener Kontrast zur Hektik der Südinsel, wo Mietwagen und Drohnen die Einsamkeit oft stören.

Ein Blick in die Natur und die Kultur

Auf Snæfellsnes begegnet die Autorin nicht nur Islandpferden, sondern auch der herzlichen Gastfreundschaft von Birgit Guðjónsdóttir und ihrer Tochter Hedi Jónsdóttir, die in ihrer Künstlerresidenz „Arctic Canvas“ Foto-Workshops und Yoga-Retreats anbieten. Wer denkt, Island sei nur für seine Gletscher und Vulkane bekannt, sollte unbedingt einen Abstecher zu den bunten Häusern in Stykkishólmur machen. Für denjenigen, der die Westfjorde erkunden möchte, gibt es gute Nachrichten: Die Fähre „Baldur“ verbindet Stykkishólmur mit Brjánslækur und spart somit die lange Umfahrung der Fjorde.

Die Straßen sind oft kurvenreich und unbefestigt, was den Reiz der Region aber nur erhöht. Die Westfjorde sind bekannt für ihre tiefen Fjorde, steilen Berge und die zerklüftete Küste. Wenn man durch die kleinen Dörfer fährt, kommt einem die Zeit wie ein zähes Karamell vor – überall Schafe, Natur und das Meer, das in den unterschiedlichsten Blau- und Grüntönen schimmert.

Der nächste Stopp ist Hólmavík, ein kleiner Ort mit etwa 300 Einwohnern, wo man sich im Museum für isländische Zauberei und Hexerei über die dunkle Geschichte der Hexenverbrennungen informieren kann. Hier wird die isländische Folklore lebendig und gibt einen Einblick in die mystischen Seiten der Insel. Wer sich für die Natur interessiert, sollte unbedingt die kurvenreiche Schotterpiste nach Djúpavík nehmen. Die verlassene Heringsfabrik, das Schiffswrack und das kleine Hotel, das Eva Sigurbjörnsdóttir und Ásbjörn Þorgilsson in den 1980er-Jahren eröffnet haben, sind ein eindrucksvolles Zeugnis vergangener Zeiten.

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Abenteuer und Entspannung

Die Reise führt weiter zum Rauðasandur Strand, wo der Sand in der Sonne von Rot bis Gold schimmert. Man muss die etwa 10 Kilometer lange Schotterstraße nehmen, und das ist schon eine kleine Herausforderung. Aber die Belohnung ist groß – der Strand ist fast menschenleer und ideal für einen ausgedehnten Spaziergang. Für die Abenteurer unter euch: Die Fahrt dorthin ist oft nur mit einem 4×4-Fahrzeug zu empfehlen, besonders bei schlechtem Wetter.

Die Westfjorde sind nicht nur für ihre atemberaubende Natur bekannt, sondern auch für ihre Tierwelt. Im Sommer kann man hier Buckelwale beobachten, die in den nährstoffreichen Gewässern umherschwimmen. Und wenn du Glück hast, siehst du vielleicht sogar einen Polarfüchsen im Hornstrandir-Naturreservat. Das Gebiet ist unbewohnt und bietet die perfekte Kulisse für mehrtägige Trekkingtouren.

Ein weiterer Schatz der Region ist der Wasserfall Dynjandi. Mit seiner fächerförmigen Kaskade ist er der größte Wasserfall der Westfjorde und zieht unzählige Wanderer an. Der Weg dorthin führt vorbei an weiteren kleineren Wasserfällen – ein wahres Paradies für Naturliebhaber und Fotografen.

Die besten Monate für einen Besuch sind von Juni bis September, wenn die Tage lang und die Straßen meist gut befahrbar sind. Für eine umfassende Erkundung sollten mindestens drei bis fünf Tage eingeplant werden. Die Westfjorde sind etwas für die, die es ruhiger mögen und das authentische Island erleben möchten – fernab von Touristenströmen.

Wer sich auf diese Reise begibt, wird nicht nur von der Landschaft begeistert sein, sondern auch von der Gastfreundschaft der Einheimischen und der einzigartigen Kultur, die in jedem kleinen Dorf spürbar ist. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann und die Natur in all ihren Facetten erlebt – das sind die Westfjorde Islands.