WWF Deutschland fordert nachhaltige Strategien für den Tourismus zum Schutz der Biodiversität
Heute, am 28.10.2026, sind wir mitten in einer stillen Krise, die sich langsam, aber sicher auf unseren Urlaubsorten ausbreitet. Anlässlich der UN-Weltnaturschutzkonferenz in Armenien hat WWF Deutschland einen Leitfaden veröffentlicht, der für die Tourismusbranche von großer Bedeutung ist. Es wird Zeit, dass alle Tourismusunternehmen Verantwortung für den Naturschutz übernehmen und die Biodiversität strategisch in ihre Geschäftsmodelle einbinden. Denn wenn wir so weitermachen wie bisher, wird der Sommerurlaub in der Natur bald nur noch ein ferner Traum sein.
Die Belastungen, die durch den Tourismus entstehen, sind vielfältig. Ob beim Rohstoffabbau für Hotels, der Herstellung von Produkten oder dem Bau neuer Anlagen – überall hinterlassen wir Spuren. Man könnte fast sagen, der Mensch ist ein Schöpfer und Zerstörer zugleich. Auch die Lebensmittelangebote tragen zur Naturzerstörung bei, sei es durch Abholzung von Wäldern oder durch intensivere Landnutzung. Es ist an der Zeit, dass Unternehmen sich nicht nur um ihre eigenen Gewinne kümmern, sondern auch um die Auswirkungen ihrer Tätigkeiten auf die Umwelt. Schließlich hängt alles zusammen.
Ein Weg zur Veränderung
Der WWF leitet in seinem neuen Leitfaden an, wie Unternehmen ihre Auswirkungen auf die Natur entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfassen und verringern können. Der Fokus liegt dabei auf den fünf Haupttreibern des Biodiversitätsverlusts, die allesamt alarmierend sind: die Zerstörung von Lebensräumen, die Übernutzung natürlicher Ressourcen, der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und die Ausbreitung invasiver Arten. Hier gilt es, die eigene Verantwortung zu erkennen und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Einzelne Umweltmaßnahmen sind nicht ausreichend. Biodiversität muss in die Unternehmensstrategie integriert werden, vom Einkauf bis zum Bau des Hotels. Es ist ein umfassender Wandel nötig.
Das Branchenprojekt „Biodiversität im Tourismus“, das im Frühjahr 2025 ins Leben gerufen wurde, spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Beteiligt sind neben WWF Deutschland auch die Nachhaltigkeitsberatung mascontour und namhafte Tourismusunternehmen wie Chamäleon, TUI Group und die DERTOUR Group. Ziel ist es, den Unternehmen bei der systematischen Analyse ihrer Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu helfen. Der erste Schritt – ein umfassender Analyseprozess – wurde bereits erfolgreich umgesetzt. Dabei wurden relevante Akteure identifiziert, die touristischen Wertschöpfungsketten unter die Lupe genommen und die wesentlichen Auswirkungen ermittelt. Spannend, oder?
Die Ergebnisse sprechen Bände
Die Analyse hat einige besorgniserregende Ergebnisse zutage gefördert. Treibhausgasemissionen aus An- und Abreise sowie Lebensmittelerzeugung sind nur einige der kritischen Punkte. Auch die Verschmutzung von Wasser, Luft und Boden durch Mikroplastik und konventionelle Landwirtschaft ist nicht zu vernachlässigen. Zudem führt die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, etwa durch hohen Wasserverbrauch und Überfischung, zur Zerstörung von Ökosystemen. Ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.
Aktuell wird ein Aktionsplan entwickelt, der eine konkrete Biodiversitätsstrategie mit Vision, Zielen und Maßnahmen umfasst. Die ersten Ergebnisse sollen 2026 auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) vorgestellt werden. Wer weiß, vielleicht wird das ja der Wendepunkt für eine nachhaltigere Tourismusbranche!
Ein Blick in die Zukunft
Auf nationaler Ebene wird die „Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030“ (NBS 2030) immer wichtiger. Diese Strategie zielt darauf ab, die negativen Auswirkungen von Tourismus und Outdoor-Aktivitäten auf die Natur zu reduzieren. Besonders in ökologisch sensiblen Gebieten ist der Druck durch den Tourismus enorm. Der Tourismus hat das Potenzial, nicht nur die Natur zu schädigen, sondern auch das Umweltbewusstsein der Menschen zu stärken. Wenn wir es schaffen, den Tourismus nachhaltig zu gestalten, können wir Natur und Wirtschaft miteinander verbinden.
Die Zukunft sieht also herausfordernd, aber auch hoffnungsvoll aus. Die Biodiversität ist das Rückgrat unserer Ökosysteme, und es liegt an uns, sie zu schützen. Packen wir’s an!
