Tulum im Wandel: Vom Traumziel zur Geisterstadt durch Algenplage und Tourismusrückgang
Es ist wirklich schade, was in Tulum passiert. Der einst blühende Ferienort an der Riviera Maya, bekannt für seine traumhaften Strände und beeindruckenden Maya-Ruinen, hat sich in ein Schatten seiner selbst verwandelt. Kaum zu glauben, dass der neue Flughafen, der erst 2023 eröffnet wurde, nun fast leer ist – auf dem Rollfeld steht nur ein Airbus A320 von Viva Aerobus. American Airlines, Volaris und Aeroméxico haben fast alle Flüge nach Tulum gestrichen. Die Gründe? Hohe Preise und ein Überfluss an stinkenden Sargassum-Algen, die die Strände zumindest für den Moment unbesuchbar machen.
Wie es scheint, wurde Tulum von einem wahren Tourismusboom im Jahr 2021, der auf die Corona-Krise folgte, überrollt. Plötzlich waren internationale Besucher wieder gefragt, und die Preise für Dienstleistungen schossen in die Höhe – viel stärker als beispielsweise in Playa del Carmen. Die Folge? Ein rapider Rückgang. Die Hotelauslastung fiel bereits vor einem Jahr um 10 Prozent, und seit 2025 gingen die Passagierzahlen um 33 Prozent zurück. Die vielen Geschäfte, die auf den Tourismus setzten, schließen reihenweise ihre Türen. Das Maya Tulum Resort, mit seinen Bungalows und dem Beachclub, zeigt das Bild der Verwüstung: Liegen und Tische stehen ungenutzt herum.
Die Algenplage
Man kann sich kaum vorstellen, wie sehr die Sargassum-Algen das Bild der Strände prägen. Diese braunen Teppiche bedecken fast einen Kilometer Küste vor dem Resort, und die Strandpflege wurde eingestellt. Wenn die Algen vertrocknen, setzen sie übel riechende Gase frei – der Gestank ist nach faulem Ei, und das Wasser bleibt trotz des abgelaufenen Algenzeitraums nicht klar karibikblau, sondern zeigt sich rotbraun. NASA-Daten sagen für 2026 sogar eine Rekordmenge an Sargassum für den Karibikraum voraus. Die mexikanische Regierung schickt zwar Reinigungstrupps, aber die Maßnahmen scheinen bei weitem nicht auszureichen, um Tulum vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren.
Das Problem mit den Algen ist nicht neu, aber die Menge hat in diesem Jahr dramatisch zugenommen. Im Vergleich zu 2025 wird an manchen Tagen mehr als das Vierfache an Algen angeschwemmt, als im langjährigen Durchschnitt. Beachclubs und Hotels verzeichnen massive Einnahmeverluste. Von Januar bis Mai sind an den Flughäfen der Region über 645.000 Passagiere weniger angekommen als im Vorjahr. Und wenn man durch die leeren Straßen von Tulum schlendert, spürt man förmlich, dass die Geschäfte verstummen und die Menschen auf der Suche nach Alternativen sind.
Hoffnung auf Besserung?
Dennoch gibt es einen Funken Hoffnung. Die Gouverneurin von Quintana Roo, Mara Lezama, hat neue Flugverbindungen aus Kanada angekündigt, um den internationalen Tourismus wiederzubeleben. Auch eine Kampagne mit dem Namen „Tulum Renace“, die kostenlosen Zugang zu den Stränden und die Beseitigung der Algen betont, könnte ein Lichtblick in der Dunkelheit sein. Aber wie lange wird es dauern, bis die Region sich von diesem Rückschlag erholt? In der Zwischenzeit bleiben viele Familien, die auf den Tourismus angewiesen sind, in einer prekären Situation. So berichtet Blanca Ramírez, dass ihr Mann aufgrund der geringen Gästezahlen nur noch zehn Tage im zweiwöchentlichen Abrechnungszeitraum arbeitet – das Einkommen reicht nicht mehr aus, um die Ausgaben zu decken.
Die archäologische Zone von Tulum, mit ihrer beeindruckenden Maya-Burg, hat ebenfalls einen starken Rückgang der Besucherzahlen erlebt. Im September 2024 zählte man noch bis zu 74.385 Gäste, zwei Jahre später waren es nur noch rund 22.100. Der Anblick dieser einst so lebendigen Stätte, die nun von leeren Straßen und geschlossenen Geschäften umgeben ist, macht einen traurig. Die Hoffnung ruht nun auf einer Erholung zur Weihnachts-Hochsaison. Doch ob sich die Besucher wieder für Tulum entscheiden werden, bleibt abzuwarten.
Trotz all der Herausforderungen zeigt sich die australische Musikerin Jaimie, die saisonal in Tulum lebt, optimistisch. Sie findet, dass der Ort trotz der Algen und hohen Preise nach wie vor attraktiv ist. Viele Kunden der lokalen Geschäfte sind ausländische Besucher, während das Alltagsleben überwiegend im Stadtzentrum stattfindet. Der Zauber von Tulum ist nicht vollständig verloren, aber die Frage bleibt: Wie lange kann dieser Ort noch überleben, wenn sich die Umstände nicht grundlegend ändern?
