Ostsee im Herbst: Zwischen Besucherzahlen und wirtschaftlichen Herausforderungen
Heute ist der 8.11.2026 und während wir uns in den kühleren Monaten wieder auf die gemütliche Zeit des Jahres einstellen, werfen wir einen Blick auf die Situation an der Ostsee. Die Strände, die im Sommer von fröhlichen Urlaubern belebt waren, zeigen nun ein anderes Bild. Die Strandkörbe sind bereits ins Winterlager gebracht worden, und viele Bars am Ostseestrand haben ihre Türen geschlossen. Der Herbst war in diesem Jahr auf Usedom und in Vorpommern deutlich schwächer als in den vergangenen Jahren. Obwohl die Gästezahlen an sich hoch sind, stehen Hotels und Gastronomie dennoch unter finanziellem Druck.
Das hat auch mit den realen Einnahmen zu tun, die vielerorts rund 20 Prozent unter dem Niveau von 2019 liegen. Dehoga-Präsident Lars Schwarz bringt es auf den Punkt: Die Zahl der Besucher allein ist kein ausreichender Indikator für den wirtschaftlichen Erfolg. Viele Gäste geben weniger Geld aus als noch vor einigen Jahren. Was bleibt, ist die Sorge um die Betriebe, die sich seit 2019 im siebten Verlustjahr in Folge befinden. Eine ernüchternde Bilanz, die viele Unternehmer verzweifeln lässt. Auf der anderen Seite gibt es Hoffnung mit über 33 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr in Vorpommern – fast so viele wie im Rekordjahr 2019. Für 2026 wird gar ein weiteres Rekordjahr bei den Besucherzahlen erwartet. Aber was nützt das, wenn die Einnahmen nicht stimmen?
Herbstfreuden und Herausforderungen
Im Herbst zieht es viele, die Ruhe und die Naturschauspiele suchen. Der Schlösser-Herbst und der Höfe-Herbst, der 2023 zur Verlängerung der Tourismussaison eingeführt wurde, bieten altehrwürdige Kulissen und charmante Erlebnisse für die Besucher. Greifswald und Anklam haben sich ebenfalls als beliebte Ausflugsziele etabliert. Die positive Entwicklung, die der Tourismusverband für die Monate September bis November verzeichnet, gibt Anlass zur Hoffnung. Ein sonniger, warmer Herbst könnte zu mehr Buchungen und Folgeaufenthalten führen, während ein regnerischer Herbst dem entgegenwirkt. Das Wetter bleibt jedoch die größte, nicht beeinflussbare Variable. Man kann also nur hoffen, dass der Himmel gnädig ist.
Doch die Herausforderungen sind groß. Liquiditätsprobleme machen es vielen Betrieben unmöglich, notwendige Investitionen zu tätigen. Schwarz schlägt vor, dass eine stärkere Verteilung der Sommerferien über mehrere Monate, schnellere Baugenehmigungen und finanzielle Unterstützung des Landes, zum Beispiel für Außensaunen oder Innen-Schwimmbereiche, helfen könnten. Die Anforderungen an die Planung der Hoteliers haben sich durch den Trend zu immer kurzfristigeren Urlaubsbuchungen ebenfalls erhöht. Eine Prognose für die weitere Entwicklung kann Schwarz nicht abgeben, aber die Hoffnung bleibt, dass möglichst viele Betriebe die kalte Jahreszeit überstehen.
Die Situation an der Ostsee zeigt, wie wichtig es ist, dass die Betriebe überleben, um in der nächsten Hauptsaison wieder Einnahmen zu erzielen. Der Herbst, mit seinen besonderen Angeboten und der Möglichkeit, die Natur in ihrer vollen Pracht zu erleben, könnte der Schlüssel sein. Aber es braucht mehr als nur Besucherzahlen, um die wirtschaftlichen Sorgen zu lindern. Ein guter Gedanke für alle, die die Ostsee im nächsten Jahr besuchen wollen – vielleicht ist es an der Zeit, ein wenig mehr in die lokale Gastronomie und Hotellerie zu investieren, damit wir auch in Zukunft die Schönheit der Ostsee genießen können.
