Japan, ein Land voller Wunder und Geschichte, zeigt sich zurzeit von einer ganz neuen Seite. Immer mehr öffentliche Mittelschulen in Japan haben beschlossen, ihre Klassenfahrten von den beliebten Touristenzielen Kyoto und Nara abzuziehen. Der Grund? Überfüllte Busse und steigende Reisekosten! Die Nachfrage nach Erlebnissen in anderen Städten wächst, und Hiroshima hat sich als neues Ziel für Schulgruppen aus dem Großraum Tokyo etabliert. Das Friedenskulturzentrum in Hiroshima hat die Schulen sogar aktiv unterstützt, indem es Fortbildungen für Lehrkräfte, Reiseplanungs-Hilfe und Bildungsangebote zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Atombombenabwurfs anbietet.

Im Schuljahr 2025 besuchten beeindruckende 4.500 Schulen mit insgesamt 322.015 Schülern und Begleitpersonen das Friedensmuseum in Hiroshima. Trotzdem ist die Anzahl der Schulen aus der Kanto-Region, also rund um Tokyo, im Vergleich zu denen aus Shikoku und Kinki deutlich geringer. Im laufenden Schuljahr entschieden sich noch etwa 80 Prozent der rund 620 Mittelschulen in Tokyo für Kyoto und Nara. Für das nächste Schuljahr wird jedoch ein Rückgang auf etwa 70 Prozent prognostiziert. Das zeigt, dass sich die Prioritäten der Schulen ändern und der Fokus zunehmend auf neuen, bildungsorientierten Zielen liegt.

Die Herausforderungen der beliebten Reiseziele

Kyoto, das einstige Herz Japans, verzeichnete 2025 einen neuen Tourismusrekord mit 62,79 Millionen Besuchern. Darunter waren über 12 Millionen ausländische Touristen. Doch die überfüllten Linienbusse in der Stadt stellen ein echtes Problem dar: Schulgruppen können oft nicht mehr mitfahren. Zusätzlich sind die Übernachtungspreise stark angestiegen. Laut einer Umfrage aus Februar 2026 nannten 73,8 Prozent der befragten Schulen die höheren Reisekosten als Problem. Im Durchschnitt stiegen die Reisekosten pro Schüler um 2.422 Yen, was etwa 14 Euro entspricht. In den Kanto-Präfekturen betrug der Anstieg sogar 2.460 Yen.

Ein Lichtblick ist jedoch die wachsende Zahl an Schulen, die sich für Klassenfahrten nach Hiroshima entscheiden. In diesem Schuljahr sind es bereits 30 Schulen aus Tokyo, und der Schulreiseverband rechnet damit, dass für das kommende Jahr mehr als 40 Schulen nach Hiroshima reisen werden. Der Verbandsvorsitzende Shuichi Takeuchi hebt hervor, dass die steigende Nachfrage nach Friedensbildung ein weiterer Grund für diesen Trend ist. Schulen möchten nicht nur Geschichte und Kultur vermitteln, sondern auch Themen wie Krieg und Frieden behandeln.

Das Friedensmuseum als Zentrum der Bildung

Das Friedensmuseum in Hiroshima hat im Geschäftsjahr 2025 einen Rekord von 2.580.926 Besuchern verzeichnet. Auch die Zahl der ausländischen Besucher stieg von 728.385 auf 945.618. Doch die Anzahl der Schülergruppen ist gesunken. Im Jahr 2025 waren es nur noch 322.015, im Vergleich zu 344.418 im Jahr 2023. Um dem entgegenzuwirken, bietet das Friedenskulturzentrum spezielle Programme und Unterstützung für Schulen an, die noch nie nach Hiroshima gereist sind oder lange nicht dort waren. Diese Unterstützungsangebote umfassen kostenlose Unterrichtsmaterialien, Referenten, die über die Erfahrungen von Atombombenüberlebenden berichten, und finanzielle Zuschüsse von 3.000 Yen pro teilnehmendem Schüler.

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Ein Beispiel dafür ist die Sakuragawa-Mittelschule im Tokyoter Bezirk Itabashi, die im letzten Jahr ihre Klassenfahrt von Kyoto nach Hiroshima umgestaltet hat. Lehrerin Maki Tahira berichtete, dass das Friedenskulturzentrum die Vorbereitung der Reise unterstützt hat, unter anderem mit VR-Brillen, die den Schülern die Auswirkungen des Atombombenabwurfs näherbrachten. Eine intensive und bewegende Erfahrung, die den Schülern die Geschichte auf eine ganz neue Weise näherbrachte.

Bildungsreisen in Japan – Ein Erlebnis der besonderen Art

Japan hat sich nicht nur als Reiseziel für Kultur- und Geschichtsinteressierte etabliert, sondern auch als Bildungsreiseziel mit einer Vielzahl von Themen. Von Robotik und Technologie über Umweltwissenschaften bis hin zur japanischen Sprache – das Angebot ist vielfältig. Schülergruppen gelten für Reiseveranstalter als attraktive Zielgruppe, da sie oft früh buchen und häufig in der Nebensaison reisen. Die Sicherheit in Japan, die niedrige Straßenkriminalität und die sauberen öffentlichen Räume sind zusätzliche Pluspunkte für Schulen, die Reisen planen.

Die Programmgestaltung ist klar strukturiert. Von MINT-Exkursionen im Miraikan in Tokio bis hin zu kulturellen Erlebnissen wie Teezeremonien und Kalligrafie-Workshops – die Schüler haben die Möglichkeit, in die japanische Kultur einzutauchen. Die Schulen profitieren zudem von Preisvorteilen durch Jugendtarife und Gruppenpreise in Museen. So wird Bildung in Japan nicht nur lehrreich, sondern auch preiswert.

Die empfohlenen Reisezeiten liegen im März und zwischen Oktober und November, um die Goldene Woche zu vermeiden, die für Überfüllung sorgt. All das zeigt: Japan ist nicht nur ein Ort für Touristen, sondern auch ein Land, das Bildung großschreibt. Die Veränderungen bei den Klassenfahrten könnten also der Anfang einer neuen Ära für Schulreisen in Japan sein. Und wer weiß, vielleicht wird Hiroshima schon bald zum neuen Lieblingsziel für Schulklassen aus aller Welt.