Die Urlaubszeit 2023 hat uns alle auf die Probe gestellt – Veranstalter und Reisende gleichermaßen. Mit dem Anstieg der Ticketpreise, vor allem für Flüge, ist die Unsicherheit groß. Das Auswärtige Amt hat zwar die höchste Warnstufe für die Golfregion aufgehoben, aber die Sicherheitslage bleibt alles andere als stabil. Fluggesellschaften wie Lufthansa haben schon viele Verbindungen in die Nahostländer ausgesetzt, was die Reisenden zusätzlich verunsichert. Und dann sind da noch die Probleme mit den Umsteigekapazitäten am Persischen Golf, die dazu führen, dass die Ticketpreise in die Höhe schießen. Der ADAC berichtet von steigendem Kostendruck auf den Strecken zwischen Asien, Afrika und Europa.
Besonders besorgniserregend ist die Kerosinversorgung während der Sommerferien, die von ungelösten Konflikten bedroht wird. Mineralölkonzerne versichern zwar, dass ausreichend Kerosin vorhanden ist, doch die Prognosen gelten nur bis Mitte Juli. Immerhin wird 70% des Kerosinbedarfs in Europa selbst produziert, was etwas beruhigen kann, denn Rohöl kommt nur teilweise aus dem Nahen Osten. Urlauber, die sich für ein Ferienhaus an der Nord- oder Ostsee entschieden haben, sind in dieser Krisensituation klar im Vorteil. Sie müssen sich keine Sorgen um Rückflüge machen, während andere Reisende in der Luft hängen.
Alternative Reiseformen
Die Expertin Julia Gerhards hat einen guten Tipp: Warum nicht mal das Auto oder die Bahn in Betracht ziehen? Direktzüge von Frankfurt nach Marseille (acht Stunden), London (sechseinhalb Stunden) oder Florenz (zehn Stunden) bieten bequeme Alternativen. Und das Beste: Kinder bis 14 Jahre reisen bei der Deutschen Bahn gratis, und in diesem Jahr gab es auch keine Preiserhöhungen! Gerade jetzt ziehen viele Urlauber Reiseziele im westlichen Mittelmeer und auf den Kanarischen Inseln vor, während Ägypten, Zypern, die Türkei und Thailand einen Nachfragerückgang erleben.
Pauschalreisen bieten in dieser unsicheren Zeit die beste Absicherung, insbesondere gegen die Insolvenz des Veranstalters. Umbuchungen und Stornierungen ohne Kosten sind nur möglich, wenn direkte Gefahren oder erhebliche Reisebeeinträchtigungen auftreten. Flex-Tarife ermöglichen zwar kurzfristige Umbuchungen, kosten aber einen Aufpreis. Ein Blick ins Kleingedruckte ist hier wichtig, denn Reiseveranstalter dürfen die Preise nach der Buchung erhöhen – allerdings nur, wenn dies in den Preisänderungsklauseln festgelegt ist. Preiserhöhungen sind auf bis zu 8% des ursprünglichen Reisepreises begrenzt; alles darüber hinaus gibt dem Reisenden das Recht auf Sonderkündigung.
Rechte der Reisenden
Es ist auch wichtig zu wissen, dass Verbraucherzentralen einen Pauschalreise-Check anbieten, um Preiserhöhungen zu überprüfen. Im Fall von Flugausfällen oder Annullierungen müssen Airlines Kunden zwei Wochen vorher informieren, andernfalls haben sie Anspruch auf Entschädigungen. Diese können bis zu 600 Euro betragen, je nach Distanz des Fluges. Wer sich über seine Ansprüche informieren möchte, findet auf dem Verbraucherportal Finanztip.de hilfreiche Rechner und Musterbriefe.
Die steigenden Kerosinkosten führen zu höheren Preisen und möglicherweise sogar zu Angebotskürzungen. So hat Air France-KLM bereits angekündigt, Langstrecken-Economy-Tickets um 50 Euro pro Hin- und Rückflug zu erhöhen. Auch Lufthansa und Ryanair warnen vor steigenden Preisen, und die Treibstoffkosten steigen laut Transport & Environment (T&E) um 29 Euro pro Passagier für Flüge innerhalb Europas und um 88 Euro für Langstreckenflüge.
Die Airlines geben diese Mehrkosten teilweise weiter, teils über Zuschläge. Bei Pauschalreisen dürfen Veranstalter Preise erhöhen, wenn vertraglich vorgesehen, maximal um 8% und mit Mitteilung spätestens 20 Tage vor Reisebeginn. Bei Annullierungen bis zu 14 Tage vor Abflug müssen Fluggesellschaften keine Entschädigung zahlen. Reisende haben jedoch Anspruch auf einen Ersatzflug oder die Erstattung des Ticketpreises. Bei kurzfristigen Annullierungen muss die Airline zwischen Ticketerstattung und Ersatzbeförderung wählen. Und bei längeren Wartezeiten haben Reisende Anspruch auf Betreuungsleistungen.
In dieser turbulenten Zeit ist es ratsam, die Optionen im Blick zu behalten und sich über die Rechte als Reisender gut zu informieren – nur so kann man den Urlaub auch wirklich genießen. Wer flexibel bleibt und sich rechtzeitig informiert, kann auch in diesen unsicheren Zeiten eine entspannte Reise planen. Und wer weiß, vielleicht wird der nächste Sommer doch noch zum unvergesslichen Erlebnis, auch wenn es etwas anders ist, als wir es gewohnt sind!
Mehr Informationen zu den aktuellen Reisebedingungen und Tipps findet ihr in den Artikeln von FAZ und Tagesschau.