Am 30. Mai erwartet uns in Belgrad ein spannendes Ereignis: Der performative Reisebericht „Hammam Internationala – unter den Kuppeln“ nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise in die Welt der vergessenen Gemeinschaften. Unter der Regie von Bojan Đorđev und der bildenden Künstlerin Siniša Ilić werden die Überreste türkischer Hamams in Städten wie Debra, Skopje, Mostar und Belgrad erkundet. Diese Ruinen sind nicht nur steinerne Zeitzeugen, sondern auch Symbole für die Lücken im sozialen Leben, das einst in diesen Mauern pulsierte. Die Kuppel, die in der Performance eine zentrale Rolle spielt, steht für diesen öffentlichen Raum, der Begegnung, Fürsorge und gemeinsames Erleben verkörpert. Die Teilnehmenden haben die Gelegenheit, eine gemeinsame Performance zu gestalten, um diesen Raum der Begegnung und Fürsorge wiederherzustellen. Eine faszinierende Idee, die das Hammam als Ort sozialer Vorstellungskraft neu interpretiert und das Verhältnis zwischen Architektur, Körper und Gemeinschaft neu choreografiert.

Die Präsentation findet von 17 bis 19 Uhr im Zentrum für kulturelle Dekontamination statt und verspricht, ein lebendiges Beispiel für die Verbindung zwischen Kunst und sozialem Engagement zu sein. Kulturelle Bildung und soziale Arbeit sind oft wie zwei Seiten einer Medaille – getrennt betrachtet, dabei aber eng miteinander verwoben. In den letzten Jahrzehnten hat sich das gesellschaftliche Verständnis von Kultur verändert. Alltagspraktiken und nicht-europäische Ausdrucksformen werden zunehmend als kulturell relevant anerkannt. Das Konzept „Kultur für alle“, das in den 1970er-Jahren entstand, bedeutet, dass kulturelle Angebote zugänglich sein sollten, und genau hier setzt der „Hammam Internationala“-Bericht an.

Kulturelle Bildung im Wandel

Als Teil der sozialen Arbeit werden kulturelle Angebote in Kindertageseinrichtungen und sozialräumlichen Projekten immer wichtiger. Der Gedanke, dass Kultur elitär und exklusiv ist, wird hinterfragt. Pierre Bourdieu kritisierte die binäre Sichtweise von Kultur und hob hervor, wie ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital die Entwicklung von Lebensstilen beeinflusst. Kulturelle Bildung hat an Bedeutung gewonnen und wird zunehmend als zentral für persönliche Entwicklung und das Verständnis von Kultur und Kunst angesehen. Die Reflexion über Bildung und Kunst ist ein zentrales Thema, das die gesellschaftlichen Machtverhältnisse thematisiert.

Die Aufwertung des Kulturellen und Sozialen zeigt sich auch in den volkswirtschaftlichen Daten. Im Jahr 2019 erzielte der Kulturbereich in Europa einen Umsatz von 253 Milliarden Euro – mehr als die Automobilindustrie! Das ist schon eine Ansage. Im Sozialbereich stieg die Wirtschaftsleistung von 1991 bis 2015 um 140 %, während andere Sektoren nur um 40 % wuchsen. Diese Zahlen verdeutlichen, wie wichtig die Verknüpfung von kultureller Bildung und sozialer Arbeit ist, besonders in einer Zeit, in der gesellschaftliche Veränderungen beide Bereiche miteinander verbinden.

In diesem Sinne lädt „Hammam Internationala – unter den Kuppeln“ nicht nur zur Reflexion über die Vergangenheit ein, sondern auch zur aktiven Teilnahme an einem kreativen Prozess, der die Brücken zu vergessenen Gemeinschaften wiederherstellt. Ein Erlebnis, das sowohl herzergreifend als auch inspirierend ist – und ganz sicher ein Highlight für alle, die sich für die Wechselwirkungen von Kultur und sozialem Leben interessieren. Wenn du in der Nähe bist, solltest du dir dieses Event auf keinen Fall entgehen lassen!

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